Andreas Eschbach im Interview, Oktober 2001


ACHTUNG! Um wirklich keine, also gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das folgende Interview mit Andreas Eschbach ist nicht aktuell. So überhaupt gar nicht.  Genauer gesagt, ist es 16 Jahre her, dass ich mit Herrn Eschbach gesprochen habe. Da aber aufgrund meines letzten Artikels Interesse an dem Text des Interviews geäußert wurde, veröffentliche ich das Interview, das seinerzeit in Ausgabe 15 der Zeitschrift Nautilus Abenteuer und Phantastik erschienen ist, nun hier. Dank dafür gilt Jürgen Pirner für die freundliche Erlaubnis.
(Auch wenn nicht aktuell – erwähnte ich das schon? – so finde ich doch einige von Herrn Eschbachs Aussagen so zeitlos, dass sie auch heute noch interessant sind.)

Einleitung: Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, schreibt seit seinem zwölften Lebensjahr. Bevor er sich hauptberuflich dem Schreiben widmete, studierte Eschbach Luft- und Raumfahrttechnik und betrieb eine eigene Softwarefirma. 1995 erschien sein Debütroman “Die Haarteppichknüpfer”, der gleich mit mehreren Genrepreisen ausgezeichnet wurde. Ab dann ging es steil bergauf und seither gehört Andreas Eschbach zu den erfolgreichsten deutschen Unterhaltungsschriftstellern. Im September 2017 widmet ihm die Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, wo er in der Vergangenheit auch als Dozent tätig war, eine Tagung: “Danke, Jesus!

Das vorliegende Interview führte ich mit Herrn Eschbach, als er im Rahmen einer Lesereise für seinen damals frisch erschienen Roman “Eine Billion Dollar“, Station in Homburg (Saar) machte.

Frage: Ihre bisher erschienen Bücher sind alle sehr unterschiedlich. Was, würden Sie selbst sagen, macht einen typischen Eschbach aus?
Andreas Eschbach: Ich weiß nicht, ob ich das beurteilen kann, weil ich ja doch etwas befangen bin. Ich würde sagen, einen typischen Eschbach macht eine gewisse Lust aus, etwas ins Extrem zu treiben. Eine Idee zu nehmen und sie wirklich so weit zu treiben bis sie quietscht. Möglichst über irgend welche Grenzen hinaus. Und trotzdem auch eine starke Lust, am Realen, am Alltag. Typisch wäre vielleicht eine Szene, wo eine UFO Armada landet. Da frage ich mich, was kommt dann in der Tagesschau? Was für ein Gesicht macht der Sprecher, usw.? Da haben wir auch wieder ein Extrem: möglichst phantastisch und möglichst realistisch.

Frage: Ihre Bücher und Kurzgeschichten schienen zeitweilig ein regelrechtes Abonnement auf die einschlägigen Genrepreise zu haben. Setzt sie das unter Druck, einer Erwartung gerecht werden zu müssen?
Andreas Eschbach: Nein. Die Erwartung die spüre ich schon, aber das ist für mich kein Druck sondern eher ein Aphrodisiakum. Ich habe ja jahrzehntelang geschrieben, ohne dass sich jemand darum gekümmert hat. Zu schreiben und zu wissen, ich muss mir keine Sorgen machen, ob es veröffentlicht wird, oder zu wissen, dass sich schon jemand darauf freut, beflügelt mich. Ich habe das damals mit dieser Serie von Preisen auch kritisch gesehen. Wenn es in einem Gerne nur einen gibt, der die Preise abonniert hat, dann heißt es, dass das Genre eigentlich tot ist.
Ich sehe es durchaus positiv, dass sich jetzt was tut, dass es neue Namen gibt wie Michael Marrak und andere. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Frage: Ihre Romane und Storys erscheinen vermehrt im europäischen Ausland und auch in den USA. Warum, glauben Sie, schaffen Sie, was Ihren Kollegen häufig verwehrt bleibt?
Andreas Eschbach: Da kann ich nur spekulieren. Ich habe das Gefühl, dass es in die Zeit passt. Ich erlebe, z.B. beim Europäischen Science Fiction Festival in Nantes, ein erwachendes Interesse der europäischen Länder aneinander. Alle haben immer nach Amerika geschaut oder vielleicht noch nach Großbritannien und wussten gar nicht, welches die großen Genreschriftsteller in anderen Ländern Europas sind. Ich glaube, wenn jemand anderes an meiner Stelle gewesen wäre und etwas Brauchbares abgegeben hätte, dann hätte ihm das auch geblüht.

Frage: Wie arbeiten Sie, wie sieht ihr Arbeitstag aus?
Andreas Eschbach: Ich bin ein sehr organisierter Mensch, was aber nicht heißt, dass ich einen regelmäßigen Rhythmus habe. Ich plane meine Zeit im Voraus, ich weiß wie die Woche verlaufen wird und lege Zeiten fest, an denen geschrieben wird. Das kann mal vormittags, mal nachmittags, mal mitten in der Nacht sein. Ich kontrolliere das eher anhand von Zwischenzielen. Wenn ich weiß, am Ende des Jahres muss ich 20 Kapitel fertig haben, dann muss ich in der Mitte bei zehn sein. Man kann es dann abschätzen, ob man es etwas lockerer angehen kann oder ob man sich ein bisschen am Riemen reißen muss.

Frage: Verfilmungen Ihrer Bücher sind immer wieder im Gespräch, in letzter Zeit besonders ein TV-Projekt des „Jesus Video“. Gibt es dazu schon Konkretes?
Andreas Eschbach: Also, wie es aussieht wird aus dem TV-Projekt vom Jesus Video nichts, da die Produktionsfirma, die jetzt die Rechte zwei Jahre optinioniert hatte, wohl nicht die Power hat, es zu stemmen. Aber was das Jesus Video anbelangt, haben wir schon eine ganze Warteliste von Leuten. Und ich habe tatsächlich in den letzten zwei, drei Monaten jede Woche mindestens eine Email bekommen, in der nach den Filmrechten gefragt wurde. Für die „Billion“ interessiert sich jetzt auch schon eine Produktionsfirma, die es sogar relativ eilig hat, den Vertrag unter Dach und Fach zu bringen. Es gibt auch eine Firma, die sich überlegt, aus dem „Marsprojekt“ einen ziemlich teuren internationalen Film zu machen. Das ist aber alles noch nicht spruchreif.

Frage: Bei „Eine Billion Dollar“ geht es 750 Seiten lang direkt oder indirekt nur um Geld. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Andreas Eschbach: Ich bin nicht direkt auf die Idee gekommen, so etwas Abstraktes wie Geld zum Hauptdarsteller eines Romans zu machen. Das hat sich, aufgrund des Romanthemas, so ergeben. Die Idee zu dem Roman war einfach: Ich wollte jemanden mit einer Billion Dollar ausstatten. Die Idee habe ich schon ziemlich lange, ich wusste nur nicht, was macht er dann damit? Ich wollte jedenfalls keine Verfolgungsjagd um das Geld, mit bösen Buben und Intrigen bis am Schluss der Richtige das Geld kriegt. Das wäre witzlos. Ich wollte ihm das Geld am Anfang ohne Hindernisse in den Schoß schmeißen, und dann schauen, was er damit macht. Die Idee hat mich ziemlich lange verfolgt. Sie geht auf Geschichten vom „Josefspfennig“ zurück, die ich als Jugendlicher gelesen habe. Josef legt im Jahr null einen Pfennig an und in unserer Zeit ist der dann zu einem riesigen Vermögen angewachsen. Als ich das damals gelesen habe, war ich ganz fasziniert, wie Geld sich vermehrt.

Frage: War es deprimierend, bei den Recherchen zum Buch alle Krankheiten unserer Welt aufzudecken und gleichzeitig zu wissen, dass kein Billionenerbe kommen wird?
Andreas Eschbach: Ja, aber das ist auch etwas, was mehr oder weniger in all meinen Büchern mitschwingt. Der Wunsch, die Welt grundsätzlich in Ordnung finden zu wollen, es aber nicht zu können. Weil es genug Knackpunkte gibt, die zur Hoffnung nicht unbedingt Anlass geben.

Frage: Können Sie den LeserInnen der Nautilus schon verraten, was sie als nächstes von Ihnen zu erwarten haben?
Andreas Eschbach: Nein, weil ich es im Moment selber noch nicht weiß. Ich habe verschiedene Projekte, die alle virulent sind. Ich warte aber noch auf den Moment, wo mir klar wird, welches davon mein nächstes Buch wird. Das beschließt man nicht, sondern es stellt sich heraus.

 

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