2/2 Schreiben – Eine Bestandsaufnahme: Einblick und Ausblick


Da ich mich seit einigen Monaten wieder verstärkt dem Schreiben widme, habe ich gestern mit einer kleinen Bestandsaufnahme meiner kreativen Tätigkeiten in den letzten beiden Jahren begonnen. Zugegeben, das Ergebnis war nicht so umfangreich wie ich es gerne gehabt hätte, aber ein Trend ist abzusehen. Es kommt wieder ein wenig Bewegung in mein “zweites Lebens”, neben Alltag und Broterwerb. Daher möchte ich nun mit einem kleinen Einblick in meine augenblickliche Situation und einem Ausblick auf die Zukunft fortfahren.

Schreibpraxis: Nun, auch hier lässt sich erst einmal ein Rückblick nicht vermeiden. Wie bereits hier gebloggt, besuchte ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal ein Seminar der Bundesakademie für Kulturelle Bildung. Natürlich kann ein einziges Wochenendseminar niemanden in einen Schriftsteller verwandeln. Soll es auch gar nicht. Was ich damit aber für mich tun konnte, war “einen Pflock in den Boden hauen”. Ich habe, nach vielen Jahren des Nichtstuns und des Zweifelns, Geld und Zeit investiert, um mich dem Thema Schreiben wieder ernsthaft zu widmen. Auf viele Male “ich sollte mal wieder” folgte endlich ein “ich mach’s jetzt, sonst tu’ ich es nie”.

Heraus kam dabei eine Kurzgeschichte, die eine Art Fortsetzung eines früheren Textes von mir darstellt, dem im letzten Beitrag erwähnten “Puppenspieler”. Auch diese Fortsetzung hatte ich bereits um das Jahr 2002 bereits einmal begonnen. In der Tat geht die Grundidee sogar noch weiter zurück. Davon ist in der augenblicklichen Fassung aber fast nichts mehr erhalten geblieben.
Außerdem ist die neue Kurzgeschichte mit dem Arbeitstitel “Der Stoff” noch bei weitem nicht fertig. Ich habe das Glück einen von Deutschlands vermutlich unterschätztesten oder “übersehendsten” (wenn es dieses Wort gibt) Phantastik-Autoren zu meinen langjährigen Freunden zu zählen: Jörg Isenberg. Jörgs Instinkt und Sachverstand bei der Überarbeitung von Texten ist unbezahlbar und ich bin ihm für seinen wertvolle Hilfe unendlich dankbar. Insbesondere, da Jörg dem (zumindest von mir so wahrgenommenen) Trend widersteht, sich beim Schreiben nur über das “Plotten” und “Outlinen” auszulassen, sondern sich intensiv mit dem elementarsten Baustein von Literatur beschäftigt, nämlich der Sprache und ihrer Ästhetik.
“Der Stoff” befindet sich also gerade in der Überarbeitung, ist aber bereits unverbindlich einem Kleinverlag zur Veröffentlichung in einer 2018 erscheinenden Anthologie zugesichert. (Der Dank für diesen Tipp geht an den anderen Jörg unter meinen schreibenden Freunden, nämlich Jörg Kleudgen) Die Arbeit an der Story ruht allerdings zurzeit, da ich zwei andere Projekte vorgezogen habe:

Ich schreibe nämlich in der Tat an zwei Drehbüchern. Ich hätte nicht gedacht, in diesem Bereich jemals tätig zu werden, allenfalls bei “Aachen Horror” hatte ich erste Berührungspunkte mit dem Schreiben von Skripten für gesprochenen Text.
Beide Drehbuchentwürfe entstanden für eine Ausschreibung des kürzlich von mir erwähnten Serien-Projekts “The Circuit”, das von einigen Star Trek-Alumni ins Leben gerufen wurde. Mein erstes Skript wurde bereits abgelehnt, allerdings mit einer für mich nachvollziehbaren Begründung. Ehrlich gesagt, fand ich selber, dass es nicht mehr so ganz zur Idee der Serie passte. Ich ließ mich davon aber nicht entmutigen und machte mich ohne Unterbrechung an einen weiteren Entwurf, der in der absoluten Rohfassungg steht, aber noch auf seine Überarbeitung warten muss. Warum? Weil ich mein erstes Drehbuch nun doch überarbeite, denn ich habe eine andere Ausschreibung gefunden, zu der es tatsächlich besser passen könnte. Die Moral von der Geschichte?

  1. Heb’ das alte Zeug besser auf, denn Du weist nie wann Du es noch einmal gebrauchen kannst.
  2. Eine Ablehnung ist kein Beinbruch, sondern im Zweifelsfall ein gute Gelegenheit Deine Arbeit zu verbessern.

Womit wir auch schon beim wichtigsten Teil meines “Schreib-Reboots” wären. Der Veränderung meiner Herangehensweise. Als ich in den 1990er Jahren begann, meine ersten Geschichten zu Papier zu bringen, hatte ich Glück. Zuviel Glück. Mit gerade einmal einer Handvoll Geschichten gelang es mir relativ schnell, in semi-professionellen und professionellen Publikationen veröffentlicht zu werden. Ich schaffte sogar eine Nominierung zum Kurd-Laßwitz-Preis 1998 (was mich heute noch verwundert) und verdiente zum ersten Mal Geld mit dem Schreiben, bzw. Veröffentlichen,  von Kurzgeschichten.
Das ging aber alles ein wenig zu glatt. Das merkte ich in späteren Jahren, als die ersten Ablehnungen eintrudelten und ich selbst, älter und kritischer geworden, auf meine alten Texte blickte und eingestehen musste, dass viele davon weitaus besser hätten sein können als sie es waren. Sicherlich, ich hatte meine Texte be- und überarbeitet, aber vermutlich nicht so intensiv wie ich es hätte tun können (und sollen). Ich stehe nach wie vor zu meinen alten Kamellen – aber heute will ich es besser machen.

Ein entscheidender Faktor dabei ist, mehr und regelmäßiger zu schreiben. Lernen tut man schließlich durch häufige Wiederholung. Mehr schreiben heißt aber auch, mehr Zeit investieren und dem wiederum stehen so lästige Dinge wie der Broterwerb und das alltägliche Leben im Weg. Zwei Dinge musste ich also ändern.

  1. Zeit zum schreiben finden, bzw. freimachen.
  2. Den Fokus auf das Schreiben selbst zu lenken, “absichtsloser” zu schreiben, d.h. die Möglichkeit der Veröffentlichung erst an zweiter Stelle zu sehen.

Den ersten Punkt löste ich sehr klischeehaft. Beinahe jeder Schreibratgeber und jedes Schreibseminar gibt den gleichen Ratschlag: Schreibe morgens vor der Arbeit. Und was soll ich sagen? Es funktioniert! Seit einigen Monaten stehe ich jeden Morgen um sechs Uhr, oder kurz vorher, auf, versorge die hungrigen Katzen, mache mir einen Kaffee und setze mich an meinen Schreibtisch. Das ist nicht so viel früher als ich sonst aufstehen würde (was aus verschiedenen Gründen auch gar nicht gehen würde), und mit den erwähnten und anderen morgendlichen Verrichtungen bleibt mir netto nicht immer so viel Zeit wie ich gerne hätte. Dennoch, ein bisschen schreiben ist immer noch viel besser als gar nicht schreiben. Im Vergleich zu einem Text alle paar Schaltjahre, nicht selten geschrieben unter dem Damoklesschwert mit Namen Abgabetermin, verfasse ich jetzt recht entspannt und regelmäßig meine Drehbücher und anderen Texte, überarbeite sie und versuche ihnen so viel Zeit zu geben wie sie eben brauchen.
Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt ist, dass der Spaß am Schreiben wieder zurückgekommen ist. Statt unter Druck und Panik zu schreiben, genieße ich jetzt diese kleine morgendliche Zeitblase, die allein mir gehört und meiner Leidenschaft.
Damit wären wir dann auch bei Punkt 2. Sicherlich, ich hatte noch nie vor, nur für die Schublade zu schreiben und ich werde das auch weiterhin nicht tun. Aber ich habe die Freude am Akt des Schreibens selbst wiedergefunden. Die Veröffentlichung das ist ein Ziel, auf das ich hinarbeite, aber nicht mehr der alleinige Anreiz.

Ich glaube nicht an Schicksal und derlei. Aber es ist vielleicht etwas dran, dass sich Türen öffnen wenn man sein Denken ändert. Vielleicht sieht man einfach nur mehr Möglichkeiten wenn man seinen Blickwinkel ändert.  Somit gibt es neben den erwähnten Arbeiten wieder ein paar “Geheimprojekte”, auf die ich mich freue. Kurz- und mittelfristig ist das erstmal nichts so umfangreiches wie der Indien-Beitrag zu “Die Bestie” oder “Aachen Horror”, sondern eher kleinere “Brötchen”, die gebacken werden wollen. Doch am Horizont warten bereits ein Sachtext (vielleicht ein Buch, mal sehen) und ein Romanprojekt auf ihren Startschuss. Bei beiden Projekten habe ich bereits mit einigen Vorbereitungen begonnen, doch die eigentliche Arbeit kommt noch.
Ich bleibe dran, morgens vor der Arbeit, an meinem Schreibtisch.

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